Der Fall „Eiskeller“: Zwei Prozesse, kein Täter

Shownotes

Zahlreiche Verletzungen, ein reißender Bach und 20.000 Seiten Ermittlungsakten: Nach dem Tod von Hanna Wörndl folgt ein dramatischer Justiz-Krimi vor dem Landgericht Traunstein. OVB-Reporter Michael Weiser war an allen öffentlichen Verhandlungstagen im Gerichtssaal dabei und rekonstruiert einen hochemotionalen Indizienprozess voller spektakulärer Wendungen. Von der dubiosen Aussage eines Mithäftlings über den E-Mail-Austausch einer Richterin bis hin zum Auftreten der kompromisslosen Verteidigerin Regina Rick, die das erste Urteil wegen eines Formfehlers zu Fall bringt. Am Ende des zweiten Prozesses steht zwar ein folgerichtiger Freispruch samt einer überraschenden Entschuldigung der Justiz, doch die quälende Frage der Eltern bleibt: Was geschah wirklich in jenen Minuten, nachdem Hanna den Club „Eiskeller“ in Aschau im Chiemgau verlassen hatte?

Einen Bonusartikel, mit noch mehr Details, Videos und Einblicken in den Gerichtssaal, findet ihr hier.

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Transkript anzeigen

00:00:01:

00:00:10: Und damit herzlich willkommen zur zweiten Folge des OVB-IV Podcasts zu Crime zwischen In und Alpen.

00:00:17: Nachdem wir uns in der ersten Folge der Person Hannah Wörndl gewippmet haben, und den Umständen ihres Todes wollen wir uns an einer zweiten Folge die beiden Prozesse anschauen, die auf ihren Tod gefolgt sind.

00:00:30: aber zunächst Patricia Ist es uns wichtig, noch mal was an der Stelle zu erwähnen?

00:00:35: Ja zunächst mal vielen Dank für eure Kommentare und Rückmeldungen zur ersten Folge.

00:00:40: Dem Wunsch nach einem Update zum aktuellen Stand kommen wir natürlich gerne nach.

00:00:45: Fest steht in diesem Fall... Derzeit geht die Staatsanwaltschaft weiterhin davon aus dass sich um einen Gewaltverbrechen gehandelt hat.

00:00:54: Ermittlungen gibt es derzeit allerdings keine.

00:00:57: Die würden erst dann wieder starten, wenn die Staatsanwaltschaft einen neuen Ermittlungsansatz erkennen würde.

00:01:04: Zudem ist der damalige Angeklagte aus beiden Prozessen rechtskräftig freigesprochen.

00:01:10: Bis es soweit kam war es aber ein sehr, sehr langer Weg über zwanzigtausend Seiten Ermittungsakten insgesamt achtundvierzig Verhandlungstage an zwei Verhandlungsorten.

00:01:20: Der erste Prozess begann im Oktober Ja,

00:01:41: hochemotional.

00:01:43: Es waren sehr viele Leute am Landgericht Traunstein im großen Saal des Landgerichts, drängten sich die Menschen und der Angeklagte Wirkte zwar insgesamt ruhig, aber man sah ihm natürlich die Anspannung an.

00:01:58: Das Gleichen der Familie Wörndl, die ja auch in den ersten Prozesttagen der Verhandlung folgte eigentlich die gesamte erste Verhandlungen hindurch.

00:02:07: da war.

00:02:08: das Ehepaar Wärndl war immer da außer an ganz bestimmten Tagen wo es um die schlimmen Verletzungen von Hannah ging.

00:02:16: Es war hoch emotional und man würde also in den kommenden Tagen hat man dann auch gemerkt, dass das kein ganz normaler Fall ist.

00:02:26: Es gab so viele Wendungen und so viele dramatische Wendung.

00:02:29: Es war manchmal schwierig diese Verhandlung zu folgen.

00:02:32: Michael Zunichs war ja der Angeklagte, auch der Öffentlichkeit nur bekannt als der Jogger, den wir in der ersten Folge bereits angesprochen hatten, kam da in den ersten Tagen vor Gericht neue Erkenntnisse auch zu ihm als Person?

00:02:49: Erst mal nicht!

00:02:53: Wie soll ich sagen ein diffuses Bild, das er abgegeben hat?

00:02:56: Er hatte sicher zu den Ereignissen auch nie geäußert.

00:02:59: Es wurde dann aus der polizeilichen Vernehmung vorgetragen.

00:03:03: Das schon!

00:03:04: Aber nichts was da zu hören war.

00:03:08: hätte es mir gestattet, mir ein Bild von einer Persönlichkeit des Angeklagten zu machen?

00:03:12: Man wusste als jung sehr introvertiert liebt die Berge geht gerne laufen Was man zu dem Zeitpunkt aber nicht mehr gesehen hat, weil er in der Untersuchungshaft eben ganz schön Gewicht zugelegt hatte.

00:03:28: Gab es denn auch in den ersten Prozesttagen irgendwelche neuen Erkenntnisse die man vielleicht in einem Jahr davor aus seiner Mittlung nicht so rausgehören konnte?

00:03:38: Mich als Leim wurde zumindest klar dass dieser Indizienprozess ein reiner Indizianprozess sehr komplizierter werden würde.

00:03:50: Die Richterin Jacqueline Aspichler hatte in dieser ersten Verhandlung ja selber gesagt, es geht darum unendlich viele Mosaik-Steinchen zu einem Bild zusammenzufügen.

00:04:01: Das haben die Juristen also der Staatsanwalt, die Vorsitzende, die vielen, vielen Zeugen in den kommenden Wochen und Monaten dann auch versucht mit einem Abschluss.

00:04:14: An der Stelle sollten wir vielleicht nochmal kurz auf Hannah blicken denn in den ersten Tagen oder an den ersten Prozesttagen wurden auch, wurde das Ausmaß ihrer Verletzungen?

00:04:24: Klar.

00:04:26: Die Rede war in dieser ersten Verhandlung und so ist es dann später auch im Urteil festgehalten in der schriftlichen Urteilsbegründung von fünf Rissquetschwunden am Kopf gleichförmig durch einen stumpfen Gegenstand beigebracht die wohl zur Bewusstlosigkeit führt.

00:04:46: festgestellt wurden ferner zwei synchron gebrochene schulterdächer also oerhalb vom schultern blatt links wie rechts einblutungen am rücken einblutzung an oben und unerhebliche verletzungen an den händen.

00:04:58: schließlich ist aber hanne nicht an diesen verletzung gestorben.

00:05:01: sie ist innerhalb von vier oder fünf minuten nachdem sie ihnen berbach in den reisenden berbach gelangt war ertrunken reißender bergwacht.

00:05:09: das kann man nicht glauben, wenn man an einem normalen Sommertag hingeht.

00:05:13: Da steht meistens gar kein Wasser drin.

00:05:16: An jenem Morgen führte der Bach sehr viel Wasser, war reißend hat die bewusstlose Hannah mit sich gerissen und sie

00:05:24: ertrankt.".

00:05:27: Du hast gesagt in diesem ersten Prozess wurden zahlreiche Mosaik-Stücke zusammengeführt.

00:05:34: Eins davon war eine Freundin des Angeklagten.

00:05:38: Magst du nochmal kurz erläutern, welche Rolle sie gespielt hat?

00:05:44: Eine nicht glückliche Rolle, kann man so sagen.

00:05:48: Es war Ihre Aussage gewesen die den Jogger, den jungen Mann der von einigen Zeugen an jenem fatalen Morgen gesichtet worden war ganz in der Nähe vom Eiskeller ihre Aussage was diesen jungen Man eigentlich in Untersuchungsaft brachte.

00:06:06: er habe ihr berichtet dass eine junge Frau umgebracht worden sei und zwar habe er dir das wenige Stunden nach Auffindung von Hannah mitgeteilt.

00:06:19: Das heißt, zeitlich so nah dran am Tode Hannas dass niemand außer dem Täter So genau hätte darüber Bescheid wissen können.

00:06:27: da wurde die Polizei natürlich hellhörig.

00:06:30: Dann hat sie sich vor Gericht aber verheddert hat widersprüchliche Angaben gemacht beziehungsweise dann als sie zugeschaltet wurde.

00:06:38: Sie hat ja schon während der ganzen Ermittlungen immer wieder abweichende Aussagen gemacht.

00:06:44: Es war schwierig, festzustellen ob sie sich jetzt falsch erinnerte wann sie sich falsch erinnerte wo sie sich richtig erinnert.

00:06:54: am Ende wurde klar dass dieser Aussage nicht sehr viel wert werden würde.

00:07:00: aber dann gab es ja noch eine dramatische Wendung.

00:07:05: du sagst es bereits am dritten Prozesstag.

00:07:07: weiß das der Staatsanwalt damals einen neuen Zeugen vorladen wollte.

00:07:14: Ein Mithäftling des damaligen Angeklagten, dem der Ange klagte in der Haft gestanden haben soll, dass er Hanna Wendel tatsächlich umgebracht habe.

00:07:26: Genau!

00:07:26: Der Ange Klagte und dieser Zeuge aus der JVA Traunstein die waren sich in der Untersuchungshaft begegnet, also während beide auf ihre Verfahren erwarteten.

00:07:39: Und da soll irgendwann allerdings schon viele Monate vor Beginn der Verhandlung, so um die Weihnachtszeit, zweiundzwanzig herum ... Der junge Jogger dem Adrian M., diesen Knastzeugen erzählt haben dass er die Hanna umgebracht habe.

00:08:00: Er habe ja auf den Kopf geschlagen, er habe über sie herfallen wollen und so weiter und sofort.

00:08:05: jedenfalls das war eine Aussage der Staatsanwaltschaft die dem Gericht in dieser Minute vorkam wie Pures Gold also der hatte sich gemeldet über seinen Anwalt haben sofort vor einem Polizeibeamte hin vernahmen den Mann Und somit wurde dieser Mordprozess fast auf neue Füße gestellt, denn sogar der Tatvorwurf wurde danach etwas abgeändert.

00:08:37: Ja?

00:08:38: Du hast von dem Zeugen sowohl die Vernehmung im Video gesehen vorgespielt oder vor Gericht alles persönlich erlebt.

00:08:46: Welchen Eindruck hattest du vom Zeugen?

00:08:48: War er zu diesem Zeitpunkt glaubwürdig?

00:08:52: Zu dem Zeitpunkt, für mich ja.

00:08:53: Ich bin Laie.

00:08:54: Also ich habe gesehen wie er den Polizei steht sie in die Augen blickt also nicht wie jemand der Ausflüchte machen will sondern hat sich immer angeschaut hat auch zugegeben wenn er Lücken hatte in seiner Erinnerung.

00:09:10: Mir kamen ja richtig überzeugend vor.

00:09:14: Ich muss allerdings dazu sagen ich war einige Wochen nach diesem ersten Eiskälerprozess bei der Verhandlung gegen diesen Knastzeugen in seiner eigenen Angelegenheit wieder am Landgericht Traunstein.

00:09:26: Dann habt ihr die Hände über dem Kopf zusammengeschlafen und habt gesagt, Gottes Willen der Mann ist ein Meister der

00:09:32: Manipulation.".

00:09:34: Dennoch war seine Aussage irgendwann doch so relevant zumindest vor Gericht dass irgendwann der Zeitpunkt kam während des ersten Prozesses wo man durchaus den Eindruck gewinnen könnte er ist jetzt dann bald vorbei.

00:09:46: ich kann mich erinnern das du einmal von einem Prozesstag zurück in die Redaktion kamst Und der Meinung warst, es könnte durchaus sein dass Ball tatsächlich ein Geständnis kommt.

00:09:58: Das war als man dem Angeklagten ins Gesicht sehen konnte.

00:10:05: die Augen die schauten in die Ferne.

00:10:08: Der Blick war leer eigentlich, sah verzweifelt aus.

00:10:11: er sah so aus als ob er nervlich am Ende seiner Kräfte sei ist allerdings auch nicht so schwer zu erklären, wenn man sich diese Kulisse anschaut.

00:10:23: Ich meine da sitzt Polizei im Gerichtssaal, da sitzt die beeindruckende Jugendkammer... Da sind Staatsanwälte, da sind Rechtsanwältel und hinten sind also auch noch siebzig-achtzig Leute in dem Publikum.

00:10:34: Das schüchtern einen!

00:10:35: Das macht nervös.

00:10:37: Der junge Mann hatte einige Monate der Untersuchungshaft hinter sich Und das ist auch kein Urlaub, es ist furchtbar für einen jungen Menschen.

00:10:47: Mit ein bisschen Fantasie kann man sich vorstellen, warum er verzweifelt wirkte oder auch mal entnervt wirkte.

00:10:53: Dennoch hat er selbst in dem Moment als Richterin Jacqueline Asbrichter an einem Tag zu ihm sagte wo so eine erneute Aussage seiner Freundin damals ging dass es sich überlegen soll ob jetzt nicht der Zeitpunkt sei um was zu sagen.

00:11:07: denn er stand immer noch und ich zitiere sie von damals Es gibt immer noch eine große Bahnbreite vom kalplütigen Mord bis zur Verzweifungstat und das ist vielleicht für ihn besser wäre, an der Stelle etwas zu sagen.

00:11:19: Ganz genau!

00:11:20: Da war allerdings der junge Mann auch von seinen beiden Anwälten einfach eingestellt worden.

00:11:28: Harald Baumgärtel und Dr.

00:11:30: Markus Frank hatten sich darauf festgelegt, dass er auf gar keinen Fall etwas sagen soll.

00:11:36: Er soll schweigen, er soll nichts sagen.

00:11:38: Das gute Recht des Angeklagten?

00:11:39: Das darf er Und daran hat er sich dann auch gehalten, es war bis zum Ende des zweiten Prozesses eigentlich nichts zu hören von ihm.

00:11:51: Es gab ja noch einmal eine, ich würde nicht sagen Wendung aber auf alle Fälle eine Neuerung in dem Verfahren als zusätzlich zu den beiden Pflichtverteidigern die du gerade genannt hast, dann auch Regina Rigg als Verteidigerin ins Verfahren gekommen ist.

00:12:08: Regina Rick ist ja auch keine Unbekannte in solchen Verfahren, sag ich mal.

00:12:14: Wie hat sich denn dann die Stimmung im Gerichtssaal mit ihrem Auftreten verändert?

00:12:21: Ja, Regina Rik ist tatsächlich bekannt.

00:12:23: Sie hat sogar Spitzname ... Der mag sich nicht schmeichelhaft anhören.

00:12:31: Regina Rikt trägt ihn aber glaube ich mit stolz der Spitznamen der laute Drottweiler.

00:12:38: Allerdings auch sehr penibel.

00:12:40: Sie hat, glaube ich auch die zwanzigtausend Seiten Ermittlungsakten ziemlich genau studiert.

00:12:47: Sie war ja wegen dieser Sorgfalt, die sie bei ihrer Arbeit halt walten lassen, auch in der Lage etwas zu finden was tatsächlich den Fall dann nochmal neu aufrollen sollte.

00:13:01: Was einem sofort aufgefallen ist noch bevor man sich mit ihrem Arbeitseinfach hatte vertraut machen können das Die Aggressivität.

00:13:09: der Ton ist rauer geworden.

00:13:12: Regina Rigg hat ja dann vor Gericht diverse Anträge gestellt, auch Beweisanträge aber vor allem ein Befangenheitsantrag.

00:13:21: Wie ging es damit denn weiter?

00:13:23: Ja, das hat viele Beweis- anträge gestellt sogar richtig viele!

00:13:27: Aber tatsächlich war der Antrag der die Wende herbeiführen sollte im Großen und Ganzen die entscheidende Wende... der Befangenhaltsantrag, den sie im Februar, April und Zwanzig gestellt hat.

00:13:42: Und zwar war sie noch nicht einmal in den Hauptakten sondern in die Nebenakten auf einen E-Mail-Austausch gestoßen zwischen Schaktin Aspichler und zwischen dem Staatsanwalt Wolfgang Fiedler.

00:13:55: Die beiden hatten eigentlich nichts anderes gemacht als sich zu verständigen darüber wie der Tatvorwurf weiterhin ausschauen sollte.

00:14:08: Die Richterin, die Vorsitzende Richterin hat dann auch am darauf folgenden Verhandlungstag einen sogenannten rechtlichen Hinweis vor Gericht getan, indem sie einfach auf diesen veränderten Tatvorwurf hingewiesen hat.

00:14:21: Aber dieser Austausch war in sehr vertrauten Ton gehalten als Mitspitzenamen.

00:14:29: Dieser Austausche war vor allem an der Verteidigung vorbei geführt worden und sofern schien der Befangenheitsantrag aus Sichtreich.

00:14:40: Aber am Ende kam es dann doch anders als erwartet?

00:14:44: Richtig, der Befangenheitsantrag ging nicht durch.

00:14:48: Die erste Kammer, die in diesem Fall über die zweite Kammer zu urteilen hatte, sah keinen Grund zur Befangeneinheit und somit konnte die zweite Kamera mit der Hauptverhandlung fortfahren.

00:15:03: Letztendlich kam es nach über dreißig Verhandlungstagen doch zum Urteil.

00:15:08: Der Angeklagte wurde verschuldigt befundener, bekam neun Jahre Haft.

00:15:15: An der Stelle muss man dazu sagen was auch später die Verteidigung noch einmal erwähnen sollte.

00:15:20: es gab kein Geständnis keine Tatwaffe nicht mal ein Tatort oder irgendwelche objektiven Beweisanzeichen.

00:15:27: Es waren eigentlich nur Zeugenaussagen vom Hörnsagen.

00:15:30: das war alles was damals gegen den angeklagten Sprach denn das kam zum Urteil.

00:15:35: Das waren nicht nur Hörnensagen.

00:15:36: also da war die eine Frau in der Nacht ungefähr um Hannas Todeszeitpunkt herum einen Schrei wie ein höchster Todesnot gehört haben wollte.

00:15:47: Und die Frau, deren Ferienwohnung befand sich vielleicht zwanzig, dreißig Meter von dem Tatort entfernt.

00:15:54: Das war also ziemlich nahe.

00:15:56: Dann war der Internet-Konsum des jungen Mannes, der in den Wochen vor Hannas trot tausende und abertausende Male irgendwelche Pornoseiten angeklickt hatte Darunter eine Seite mit einem Film, der wirklich übel war.

00:16:14: Wo sich viele Leute entsetzt angeblickt haben und gesagt haben das wirkt ja wie eine Blaupause für einen Überfall auf eine junge Frau.

00:16:42: Es gab also am Ende nur Indizien, können wir so zusammenfassen.

00:16:46: Ein

00:16:46: reiner Indizientprozess!

00:16:48: Keine Zeugen, keine DNA-Spuren, keine Tatwaffe, keinen Tatort, kein Geständnis... Und

00:16:56: das hat auch der Verteidigerin Regina Rigg nicht gereicht wie sie nach dem letzten Verhandlungstag sehr deutlich klargemacht hat.

00:17:06: und was sie da gesagt hat wollen wir uns noch mal kurz anhören.

00:17:10: Wir haben angekündigt, in Revision zu gehen?

00:17:12: Ja natürlich gehen wir in Revision.

00:17:14: Dieses Urteil ist falsch!

00:17:15: Also ich

00:17:16: bin überzeugt davon dass mein Mandant mit dem Tod von der Hand überhaupt nichts zu tun hat.

00:17:22: Wie Rigenarik kurz nach dem Urteil schon angekünkt hatte das den Revision gehen so kam es auch.

00:17:28: die Verteidigung legte Revision beim Bundesgerichtshof gegen das Urteil ein

00:17:33: und

00:17:33: dieser musste dieses Urteil dann an den kommenden Monaten überprüfen.

00:17:39: kann man sagen, das war also profitisch oder sehr selbstbewusst.

00:17:43: Dass Regina Richter bereits von einer Revision gesprochen hatte weil tatsächlich konnte sie ja eigentlich der Entscheidung des Bundesgerichtshofs nicht vorgreifen.

00:17:49: aber Ja Julian es war so wie du gerade gesagt hast, der Bundesgerichtshof hat am Ende entschieden und hat gesagt Ja dieser E-Mail Austausch Der kann bei einem dritten schon den Verdacht oder die Besorgnis hervorrufen dass Teile des Gerichts befangen sein Und insofern, es geht also nicht um das Urteil selber.

00:18:15: Es geht um einen

00:18:16: Formfeder.".

00:18:17: Du sprichst das an?

00:18:19: Weil dann was viele vielleicht an der Stelle nicht sehen ist dass es eine reine Verfahrensrüge war die der BGH hier getätigt hatte und die Sachrüge die auf die Auslegung des materiellen Rechts gerichtet ist.

00:18:33: als sich alles anschaut ob die Tatbestände oder die Strafzimmerson richtig ausgelegt wurde, hat er sich gar nicht mehr angeschaut.

00:18:39: Sondern es ging allein um die Ablehnung des Befangenheitsantrags und deswegen wurde der Fall zurück ans Landgericht Traunstein geschickt.

00:18:48: Am Ende kam es jetzt also zu einem zweiten Prozess beim selben Gericht, nämlich dem Landgerichts Traunstein mit demselben Tatvorwurf gegen den selben Angeklagten dieselbe Geschädigte.

00:19:01: aber am Ende war's ein komplett anderer Prozess, oder Michael?

00:19:07: gar nicht so einfach zu erzählen, wie es dazu kam.

00:19:10: Aber stimmt ja hatten wir im ersten Prozess eine Verurteilung zum neun Jahren Jugendstrafe erlebt lief's im zweiten Prozess halt vollkommen anders.

00:19:19: Es war vor dem selben Gericht vor dem Landgericht Trauenstein diesmal vor der ersten Jugendkammer allerdings an einem anderen Gericht aus Platz gründen wie man ins Amtsgericht nach Laufen.

00:19:33: Man hätte in Traunstein zu jener Zeit keinen hinreichen großen Saal zur Verfügung gehabt, nicht zuverlässig jedenfalls.

00:19:39: Also ab ins Entfernte laufen das wirklich sehr abgelegen ist.

00:19:47: Bevor dieses Verfahren aber überhaupt gestartet ist kam es schon zu einer Entscheidung die auch für viele Schlagzeilen gesorgt hat?

00:19:57: Ja man kann von einer Vorentscheidung sprechen.

00:20:01: also alle die sich bisschen mit dem Fall befasst hatten, die gingen davon aus dass es dann am Ende auf einen Freispruch hinaus laufen würde.

00:20:11: Denn es war vom Gericht selber ein Gutachten beantragt worden und zwar ein Aussage psychologisches Gutachten.

00:20:21: Ein Aussagepsychologe der untersucht in erster Linie die Aussage Und die Glaubwürdigkeit damit einer Person wird normalerweise oft bei Prozessen mit sexuellem Missbrauch von Jugendlichen und Kindern eingesetzt.

00:20:39: Aber in dem Fall eben, weil es um einen psychisch labilen Hauptzeugen ging, schaltete man eben einen sehr bekannten Aussagepsychologin, einem Professor Max Steller.

00:20:50: Wozu hat denn das Gutachten letztendlich geführt?

00:20:53: Ich sage es ganz kurz, der Gutachter hat von der Aussage des Knastzeugen von dieser wirklich entscheidenden und belastenden Aussage nichts übrig gelassen als zerfetzt.

00:21:04: In einer Maße in einer Intensität kann man sagen das Landgericht sofort die U-Haft aufgehoben hatte dringend den Tatverdacht war danach weg und es war allen danach klar dass es wohl auf einen Freispruch hinauslaufen würde.

00:21:21: Wie war denn der zweite Prozess grundsätzlich im Vergleich zum ersten Prozess?

00:21:25: Wurden da dieselben Gutachter geladen, wurden die selben Zeugen nochmal befragt oder gab es auch da Unterschiede.

00:21:30: Nein das Gericht hat versucht Zeit zu sparen und Wege abzukürzen.

00:21:36: man nennt das Verfahrensökonomie.

00:21:37: Das gericht hat also gesagt wir prüfen ob wir eine Verbindung herstellen können vom Tode Hannas zu der Person des Angeklagten.

00:21:50: wenn wir das nicht können dann erübrigt sich die Aufklärung der Umstände des Falles.

00:21:57: Dann braucht man so viele Zeugen und gute Achter gar nicht mehr, dann kann man dem Prozess bereits vielleicht nach fünfzehn-sechzehn Verhandlungstagen beenden.

00:22:09: Angesetzt waren ursprünglich sechsundzwanzig Verhandlungs Tage aber das muss ja nicht viel heißen.

00:22:15: Man reserviert dann halt einfach mal den Gerichtssaal und versucht gewisse Leute einzubestellen, die vielleicht nur an diesem Tag Zeit haben.

00:22:23: Damals erwähntest du auch, dass Hannah das eigentliche Opfer immer mehr in den Hintergrund gerückt ist während des zweiten Prozesses.

00:22:31: Ja!

00:22:32: Das war klar zu beobachten – es war eine Folge dieser Verfahrensökonomie.

00:22:38: Hannah wurde zum Eiskeller fallen, Aktenzeichen und die Mutter von Hannah hatte an diesem zweiten Prozess ja schon gar nicht mehr teilgenommen.

00:22:51: Andreas Würndl der Vater kamen die ersten vier, fünf, sechs Verhandlungstage noch in den Gerichtssaal.

00:22:58: Aber man hat schon gesehen wie ihm das zusetzt.

00:23:01: seine Tochter hat keine Rolle mehr gespielt.

00:23:04: Du hast ja dann auch mit dem Vater von Hannah gesprochen im Laufe des Verfahrens bzw nach den Verhandlungen und einen Ausschnitt aus diesem Gespräch würden wir euch hier gerne nochmal vorspielen.

00:23:18: Es ist sehr schmerzlich.

00:23:19: es geht immer noch eigentlich um unsere Tochter Und um den Verlust unserer Tochter und wir erhoffen uns nach wie vor ja Aufklärung des Falls.

00:23:34: Für uns ist es absolut nicht wichtig, dass jetzt irgendjemand in den Knast geschickt wird – das wollen wir nicht!

00:23:44: Also jemand der unschuldig ist und da unschulig verurteilt wird, das wollen gar nicht.

00:23:50: Das ist absolut nicht unsere, sondern es gibt doch keinerlei Genugtuung wenn irgendwer für das schmachten muss.

00:23:58: Also die Hannah kommt nicht mehr wieder und das ist uns völlig bewusst.

00:24:02: aber wir hätten dann schon gerne irgendwie Aufklärungen von dem Ganzen noch.

00:24:08: Aufklärung gab's allerdings auch nach dem zweiten Prozess.

00:24:12: Nicht der Ende mit einem Freispruch Aber was mit Hannah in jener Nacht passiert ist blieb auch zweiten Urteilspruch.

00:24:20: Und klar!

00:24:22: Ja, wir wissen bis wann Hannah mit ihren vielen Freunden im Club Eiskäller gefeiert hat.

00:24:28: das wissen wir.

00:24:30: Wir haben die Bilder als sie kurz vor halb drei den Club verlassen hat.

00:24:34: Wir sehen sie noch immer vor dem Club stehen wie Sie sich mit Freunden unterhält und dann wie sie geht in Richtung Kampenmannstraße und dann in der Dunkelheit verschwindet.

00:24:44: Die vier fünf Minuten danach werden es gewesen aber Über diese vier fünf Minuten haben wir auch im zweiten Prozess eigentlich nichts Entscheidendes mehr erfahren.

00:24:57: Die Kammer um Heike Will war dennoch überzeugt, dass die Angeklagte mit diesen vier bis fünf Minuten nichts zu tun hat und hat ihn entsprechend freigesprochen?

00:25:08: Richtig!

00:25:11: Nach der Aussage des Knastzeugen nachdem sie dann auch vor Gericht richtig zerlegt worden waren blieb eigentlich nichts mehr übrig.

00:25:21: Die Anklage hatte die Substanz verloren.

00:25:23: Es war wirklich nicht mehr feststellbar, wie die Verbindung hergestellt werden sollte und insofern war der Prozess unter Freispruch folgerichtig was manche Leute nicht ganz nachvollziehen konnten.

00:25:39: ich glaube sogar dass die Polizei da etwas ratlos dasaß.

00:25:43: das war die Entschuldigung von Richterin Will, die dem Angeklagten gesagt hat ihn sei seitens des Rechtssystems viel Unrecht widerfahren und sie entschuldige Sicht dafür.

00:25:55: Was sie damit genau meinte, das wissen

00:25:57: wir nicht.

00:25:58: Es kann gewesen sein dass sie damit auch die Ablehnung des Befangenheitsantrages meinte oder Ermittlungsfeeder der Polizei oder ich weiß es nicht.

00:26:09: Aber auch nach diesem Urteil war noch nicht alles zu diesem Fall gesagt.

00:26:14: Michael was erwartet denn unsere Hörer in Folge drei?

00:26:19: Richtig!

00:26:19: Es war noch nicht alles gesagt.

00:26:21: Der junge Angeklagte wurde freigesprochen, er hat den Gerichtssaal als Freiermann verlassen aber es war schon klar dass der Kampf um die Deutung so halt das Ringeln um die deutungshoheit nur nicht ausgestanden haben.

00:26:34: wir wollen uns in der nächsten Folge ja darüber unterhalten über die ganz gegensätzlichen Positionen.

00:26:40: Die Staatsanwaltschaft geht weiterhin von einem Gewaltverbrechen

00:26:43: aus

00:26:44: auch wenn sie auf Freispruch plädiert hatte.

00:26:46: Sie hatte halt auch keine Beweise, keine richtigen Beweise gesehen für eine Schuld des jungen Arschauers.

00:26:52: Anders die Verteidigung!

00:26:54: Die Verteiligung hat eine ganz andere Position.

00:26:56: Sie hätte gerne einen Freispruch wegen erwiesener Unschuld gehabt und das war es dann aber doch nicht.

00:27:02: Deswegen hat die Varteidigung auch Gutachten bestellt, die darlegen sollen wie Hannah zur Tode gekommen ist.

00:27:10: Darüber werden wir in der nächsten Folge sprechen.

00:27:14: Wenn ihr die Videointerviews der Prozessbeteiligten, die wir vorhin angesprochen haben sehen wollt oder weitere Informationen zu den beiden Prozessen lesen wollt schaut gerne in die Show Notes.

00:27:26: An dieser Stelle vielen Dank fürs Zuhören und wir hören uns in zwei Wochen

00:27:44: wieder!

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