Gefährliche Liebe: Der Rosenheimer Säure-Angriff
Shownotes
Ein ganz normaler Abend im Norden von Rosenheim endet in einem absoluten Albtraum: Es klingelt an der Wohnungstür eines 31-jährigen Bergsportlers. Als er diese arglos öffnet, steht ihm eine vermummte Gestalt gegenüber – und schüttet ihm unvermittelt rund einen halben Liter hochgradig ätzende Flusssäure ins Gesicht. Nur durch seine wohl geistesgegenwärtige Reaktion überlebt der junge Mann den Anschlag.
In dieser Folge von „True Crime zwischen Inn und Alpen“ rekonstruieren wir diesen außergewöhnlichen Kriminalfall. Wer steckte hinter dem perfiden Fake-Profil „Silvia“, das im Vorfeld Kontakt zum Opfer suchte? Wie gelang es der Rosenheimer Polizei und der Staatsanwaltschaft, dem Täter ohne direkte Zeugen auf die Schliche zu kommen? Und welches Motiv offenbarte sich schließlich im Indizienprozess vor Gericht? All diese Fragen beantwortet OVB-Reporter Julian Baumeister seinen beiden Kollegen Patricia Huber und Michael Weiser. Letzterer wurde für diese Folge digital zugeschaltet.
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Transkript anzeigen
00:00:01: In
00:00:18: den ersten drei Folgen haben wir uns ja mit dem Fall Eiskeller beschäftigt.
00:00:23: Ab sofort behandeln wir in jeder Folge einen neuen Fall, dieses Mal geht es um eine Wirklich hinterhältige Attacke, die das Leben eines Rosenheimers für immer verändert hat.
00:00:36: Ein Versuch der Mord direkt vor der eigenen Haustür.
00:00:40: Julian du hast diesen Fall von Anfang an begleitet.
00:00:44: Magst du uns mal erzählen was sich da am Abend des dreizehnten Mai, zwentausend vierundzwanzig abgespielt hat?
00:00:50: Eigentlich war es ein ganz normaler Montagabend!
00:00:53: Der Rosenheimer damals, thirty-one Jahre alt Genoss sein Feierabend in seiner Wohnung im Norden der Stadt.
00:01:00: Das ist ein Mehrparteienhaus, sieben Stockwerke hoch, etliche Wohnungen mitten in einem ruhigen Wohngebiet.
00:01:07: Plötzlich klingelt es zu seiner Wohnungstür.
00:01:09: Es muss sogegen einundzwanzig und dreißig gewesen sein.
00:01:13: Später wird er aussagen dass er dachte das es vielleicht ein Nachbar ist oder ein Paketbote der ihm noch einen Päckchen vorbeibringern möchte.
00:01:21: Er geht zur Tür macht nichts Ahnen seine Wohnungstühe auf und kann nur noch aus dem Augenwinkel schemenhaft eine dunkle Person erkennen.
00:01:28: Vermummt war sie in einer Trainingsjacke, und ungefähr so ein siebzig bis eines achtzig Groß soll sie gewesen sein.
00:01:35: Dann erkennt er im nächsten Moment noch ne kleine Bewegung aus dem Augewinkel und plötzlich ist da nur noch Schmerz überall am ganzen Körper, am Oberkörper, im Gesicht an den Beinen aber besonders im Gesicht rund um die Augen.
00:01:49: Im nächsten Moment schlägt der damals einund dreißigjährige nur noch die Tür zu Rennen ins Bad, zu dem Zeitpunkt kann er schon gar nichts mehr sehen oder kaum noch.
00:01:59: Erreist sich die Klamotten vom Leib, springen unter die Dusche und wählt den Notruf.
00:02:03: Minuten später treffen dann schon die ersten Polizisten ein und was sie zuerst wahrgenommen haben war ein stechender beißender Geruch am Treppenhaus
00:02:13: Wie die Polizistin, die am Tatort ankamend die Situation sah.
00:02:18: das schildert uns Robert Maurer Hauptkommissar der Polizei in Rosenheim.
00:02:24: Fort war dann eine Person mit erkennbaren Rötungen und Verletzungen im Oberkörper sowie im gesamten Gesichtsbereich, so wie die Kollegen das nach Ausverständigung vor Ort festgestellt haben.
00:02:38: Mit Mitteilung an uns wurde selbstverständlich sofort der Rettungsdienst alarmiert und zusammen mit dem Rettungstest waren wir am Ereignisort.
00:02:48: Die Polizisten haben später geschildert, dass sie bereits in Eingangsbereich Pfützen von einer hellen Flüssigkeit erkannt haben und am Türstock soll es auch schon Verätzung gegeben haben.
00:02:59: Zu dem Zeitpunkt hatte das Opfer wohl dann auch schon ein trübes Auge was wohl recht eindeutig zu erkennen war.
00:03:05: Der Rosenheimer hat ihn dann auch sofort geschilderdet, was in den vergangenen Minuten passiert sein soll Und daraufhin sind zahlreiche Einsatzkräfte in den Rosenheimen Norden geheilt eigentlich den kompletten oder das komplette Wohngebiet abgeriegelt und abgesucht.
00:03:21: Ich kann mir vorstellen, dass die Aufregung in dem Wohngebied groß war?
00:03:25: Es ging tatsächlich!
00:03:27: In den Tagen nach dem Vorfall konnte ich mit einigen Anwohnern aus dem Bereich sprechen.
00:03:33: kaum jemand hat tatsächlich etwas mitbekommen davon.
00:03:36: sie haben alle berichtet dass ihm nichts gehört oder gesehen hat, nur als er vor den Fenstern überall Blaulicht war.
00:03:43: Aber sonst war tatsächlich relativ wenig davon mitzubekommen.
00:03:47: Das Einzige war das Schillerte.
00:03:48: später vergerichtet dann einer Anwohnerin, dass es kurz zuvor bei ihr geklingelt hat und eine männliche Stimme gesagt hat sie habe sich ausgesperrt und ob man sie reinlassen könnte.
00:04:00: im Nachgang hat vieles darauf hingedeutet, dass ist wohl der Täter war
00:04:04: so ein.
00:04:04: Ein totaler Überfall an der Haustür klingt wie ein absoluter Albtraum.
00:04:10: Wie schwer war denn der Mann dann verletzt?
00:04:13: Es war noch am Abend klar, wie Robert Maurer schon gesagt hat, dass es sich um einen flüssigen Säuregemisch gehandelt haben muss, das dem Rosenhammer drüber geschüttet wurde.
00:04:22: Die Flüssigkeit war so ätzend, da sie sehr schwere Verletzungen hatte – Veretzungen, der Hornhaut, Verbrennungen sowie weitere Veretzung im Gesicht, am Hals und beiden Oberschenkeln, beidem Armen.
00:04:35: Infolgedessen hatte auch ein akutes Nierenversagen erlitten.
00:04:39: Er wurde dann im Rosenheimer Krankenhaus erst versorgt, da war aber relativ schnell klar dass es sich doch um noch schwerere Verletzungen handelt und wurde unmittelbar am Abend in eine Spezialklinik nach München verlegt wo er an den Augen notoperiert wurde.
00:04:56: Bereits in der Tat Nacht stand noch fest das er bleibende Schäden davon tragen wird besonders im Gesicht.
00:05:03: Und auch während der Verhandlung vor Gericht konnte man dann erkennen, als Außenstehender dass die Vereitzungen bleiben Gesicht sind.
00:05:11: Teilweise zumindest.
00:05:12: Der angegriffene Rosenahmer hatte doch erledigt dich einen vermummten Mann gesehen.
00:05:19: Wie lange dauerte es denn bis dem Täter auf die Spur kam?
00:05:24: Ungefähr eineinhalb Wochen.
00:05:25: Das teilte die Polizei damals mit Dass man ungefähr so zehn Tage nach Detat einen vierzigjährigen aus dem Landkreis Traunstein verhaftet hatte.
00:05:36: Auf die Spur kamen sie ihm, weil tatsächlich der Rosenheimer noch in einer Tatnacht einen Verdacht geäußert hat, wer es gewesen sein könnte und gegen den damals vierzigjährigen Ermittelte die Polizei danach umgehend erhob dann auch relativ bald Anklage wegen versuchten Mordes als Heimtücke.
00:05:55: Was versteht man denn unter Heimtycke eigentlich?
00:05:59: Nun ja, Heimatütke ist eines der Mordmerkmale, die verwirklicht sein müssen damit es sich um Mord handelt.
00:06:06: Und bei der Heimtücke ist es so da ist das Opfer arg oder wehrlos was bedeutet man muss in dieser Situation nicht mit einem Angriff rechnen und hat eigentlich keine Chance sich tatsächlich gegen den Angriff zu verteidigen.
00:06:20: Und warum hat man sich dann bei diesem Fall auf das Mord merkmal heimtück geeinigt?
00:06:25: Naja es hat ja direkt an der Tür unmittelbar geklingelt.
00:06:29: Die Tür war geschlossen, er hat nicht wirklich durch den Spion jemanden erkennen können.
00:06:33: Vermutlich hat sich der Täter auch so ein bisschen links neben der Tür oder rechts neben der tür versteckt eben dass man nicht durch dieses kleine Kuckloch in der Tür was erkennen konnte.
00:06:43: und deswegen war er eben arg und wehrlos.
00:06:44: weil wenn es um halb zehn an deiner Tür klingelt musste jetzt nicht davon ausgehen das dich jemand körperlich derart attackiert.
00:06:52: Der Rosenheimer war ja lediglich verletzt worden also lediglichen Anführungsstrichen.
00:06:59: Warum lautet er der Tatvorwurf dann auf versuchten Mord?
00:07:04: Das hat die Staatsanwaltschaft noch Ende Mai damals recht gut erklärt, aufgrund der Gefährlichkeit
00:07:12: des
00:07:13: Stoffes und der Säure, die da verwendet wurde.
00:07:16: Die war so gefährlich dass man davon ausgehen muss das man in so einem Vorfall auch eben nicht überlebt und deswegen gingen sie auf Versuchtenmord.
00:07:24: Wir wissen jetzt, es war ein Vierzigjähriger aus dem Landkreis Traunstein.
00:07:29: Hatten die beiden Männer irgendeine Verbindung zueinander?
00:07:32: Da muss man tatsächlich bisschen weiter ausholen.
00:07:35: Der damalige Dreißigjährige des Opfer War leidenschaftlicher Bergsportler Tatsächlich auch Eiskletterer.
00:07:44: Über den Bergspurt lernte er damals eine Simon dreißigjährige Rosenheimerin kennen Die auch beim Alpenverein war... haben im Laufe der Zeit immer mal wieder Bergturn-Unternommen oder Ski-Touren.
00:07:58: Was er zu dem Zeitpunkt nicht wusste, die siebenunddreißigjährige hatte mit den vierzigjährigen aus dem Landkreis Traunstein zuvor eine Beziehung.
00:08:09: Die Frau hatte also eine Beziehung mit dem damals Tatverdächtigen.
00:08:14: Die wurde dann beendet und dann kamen Sie mit dem späteren Opfer zusammen.
00:08:19: War das quasi ein Tat eines eifersüchtigen Ex-Partners?
00:08:25: Das war zunächst gar nicht so eindeutig, weil die Beziehung der siebenundreißiger Ringe Rosenheimerin und des Tatverdächtigen war zum Zeitpunkt der Tat schon beendet.
00:08:36: Also die waren da nicht mehr zusammen, hatten aber nach wie vor auch Nachbeendigung der Beziehungen weiterhin Kontakt.
00:08:44: Es wurde damals erzählt dass man sich tatsächlich sehr viel auf WhatsApp unterhalten hat.
00:08:50: Es war wohl auch gar nicht so lange her, dass man nochmal körperlich sich näher gekommen ist aber damals vergerichtszackte sie aus das man sich auseinander gelebt hat.
00:08:59: also sie waren offiziell kein paar mehr.
00:09:02: zu dem Zeitpunkt allerdings hat die sieben und dreißigjährige wohl dann eben auch zunehmend auch zur Beziehungsende schon mehr alleine unternommen und war wohl mit dem späteren Opfer sehr fehlenden bergen unterwegs.
00:09:14: Aber war sie dann mit dem späteren Opfer in einer Beziehung oder war das nur eine Freundschaft?
00:09:22: Das, glaube ich können letztendlich nur die beiden beantworten.
00:09:24: Also ein paar waren sie wohl nicht aber es soll einen Kuss gegeben haben von dem der vierzigjährige auch wusste.
00:09:31: So ging die Staatsanwaltschaft natürlich dann davon aus dass er sich um eine Tat aus Eifersucht gehandelt haben muss oder könnte und das wurde dann auch im Laufe des Prozesses ungefähr dreiviertel Jahr nach der Tat dann begonnen hat, auch immer deutlicher.
00:09:47: Dass es tatsächlich aus Eifersucht gewesen sein muss und dass der Mann aus dem Landkreis Traunstein, wie es der Richter irgendwann später formuliert hat den Rosenheimer auch einfach aus dem Weg räumen wollte oder tatsächlich doch die Säure so verunstalten wollte das der für die damalige oder ehemalige Freundin nicht mehr so attraktiv ist wie es Der Richter damals ausführte.
00:10:09: Also das klingt jetzt natürlich nach einem super gefährlichen Stoff.
00:10:14: Was ist denn Flusssäure eigentlich für alle, die vielleicht im Chemieunterricht nicht ganz so gut aufgepasst haben?
00:10:39: Erst im Zuge der Ermittlungen wurde dann klar, dass es sich eben um diese Flusssäure handelt.
00:10:44: Fluss-Säure ist eine Fluorwasserstoffsäure.
00:10:47: Das ist ne farblos stechendriegende Flüssigkeit die extrem stark auf den Haut äzt.
00:10:53: Im Prozess war natürlich auch ein Chemiker des bayerischen Landeskriminalamtes da, der beschrieben hat wie gefährlich diese Säure sind.
00:11:03: Er meinte selbst auf einer Fläche von zehn auf zehn Zentimeter kann diese Flüssigkeit, egal an welcher Körperstelle, extrem schwere Verletzungen vorsachen.
00:11:13: Wie gefährlich!
00:11:14: Das hat uns Prof.
00:11:16: Dr.
00:11:16: Aya vom Klinikum in München rechts der ISA noch mal ausführlich erklärt.
00:11:22: Die Lutzauer hat im Vergleich zu anderen Säuren die unangenehme Eigenschaft, dass sie besonders tief ins Gewebe eindringt und das häufig am Anfang auch nicht in der Schwere abzuschätzen ist oder auch von den Patienten heute Initial gar nicht so bemerkt wird.
00:11:41: Also die bemerken wir vielleicht in Flüssigkeitskontakt, vielleicht auch ein bisschen brennen und dann steht im Verlauf aber eben verzögert mal wie eine Rötung Und diese Veränderung kann sich in die Tiefe letztendlich voranschreiten und dann zu tiefreichenden Gewebeshäden führen.
00:12:03: Und das ist eben gegenseitig zu anderen Sorren, wie der Falssorge oder die Tito-Sorge.
00:12:09: Wo in der Regel relativ schnell nach Kontakt mit den Schaden zu sehen
00:12:12: ist.".
00:12:13: Das hört sich sehr gefährlich an.
00:12:15: und jetzt muss ich schon fragen, bekommt man denn einen so gefährlichen Stoff machen?
00:12:19: Kann ja fast so sagen eine chemische Waffe!
00:12:23: Also im Baumarkt kann man sich nicht so einfach kaufen.
00:12:25: Es wird tatsächlich recht oft in irgendwelchen Betrieben verwendet und darüber kann man es dann auch bestellen tatsächlich über das Internet, aber wie es bei vielen Säuren der Fall ist muss man dann seine Namen angeben.
00:12:40: Man muss auch den Verwendungszeug angeben.
00:12:43: also da sind schon gewisse Hürden daran geknüpft dass man überhaupt solche Säure kaufen kann.
00:12:48: Wie
00:12:48: hat denn der Angeklagte diese Hürde überhunden?
00:12:52: Das kam dann im Prozess tatsächlich raus weil nachdem eben der Rosenheimer des Opfer in der Tatnacht noch den Verdacht geäußert hat, dass es eben der Mann aus dem Landkreis Traumstein gewesen sein könnte.
00:13:05: Da eben da Probleme mit der Ex-Freundin gegeben haben und seiner Bergpartnerin hatte schon in der Tatenacht ge äußert das er sein konnte.
00:13:13: Daraufhin hat im Zuge der Ermittlungen die Polizei und Staatsanwaltschaft die Räume des vierzigjährigen durchsucht Und dort fand man dann tatsächlich Gefäßebehälter Mit dieser Flusshöhre wo auch eindeutig seine DNA drauf war.
00:13:29: Wie im Prozess dann zu hören war, hat er das wollte ich so gemacht.
00:13:33: Dass er die Säure im Internet bestellt hat in seine Firma.
00:13:38: da konnte er natürlich dann leicht einen Verwendungsweg angeben allerdings unter den falschen Namen.
00:13:44: also sie hatte nicht seinen eigenen Namen hingeschrieben sondern hat zur Bestellung einen Fantasienamen angeben.
00:13:49: Da stand tatsächlich auch auf diesem Fassant Kärtchen oder auf Päckchen drauf ist.
00:13:53: diesen Namen gab es in der Firma nicht.
00:13:55: Das heißt Er hat sich das im Internet bestellt, wie kann man sich das denn mengenmäßig vorstellen?
00:14:03: Wir haben jetzt gehört es ist wahrscheinlich schon der kleinste Kontakt ziemlich schmerzhaft.
00:14:10: Wie viel hatte er dem Rosenheimer da drüber gekippt?
00:14:14: Es war wohl tatsächlich rund ein halber Liter also gar nicht wenig.
00:14:18: und wie auch immer wieder gesagt wurde Das Opfer war am kompletten Oberkörper, bei eintreffende Rettungskräfte gerötet.
00:14:26: Im ganzen Gesicht.
00:14:28: Sein T-Shirt war durchdrängt mit dieser Flüssigkeit und auch das hat später einen Mitarbeiter vom Landeskriminalamt ausgesagt wenn der Opfer nicht so geistesgegenwärtig reagiert hätte und sich das T-shirt vom Leib gerissen hat und sich abgeduscht hätte.
00:14:46: Hätte er es wahrscheinlich nicht überlebt weil zu Verletzungen mit Flusssäuren in diesen Zusammenhang gibt es wohl relativ wenig Erfahrungswerte, weil viele Opfer es einfach nicht überleben.
00:14:58: Das ist ja eigentlich auch Wahnsinn dass man dann in so einer Situation eine Reaktion zeigt.
00:15:04: also ich weiß jetzt nicht ob ich in dem Fall soweit gedacht hätte mir da die Kleider vom Leib zu leisen und unter die Dusche zu steigen?
00:15:12: Ja das tatsächlich selber merken sie mehr.
00:15:14: aber auch in seiner Aussage hat das Opfer tatsächlich dann gesagt die Tür aufgemacht hat und diese vermummte Person gesehen hat, da dachte er schon jetzt passiert irgendwas Schlimmes.
00:15:24: Also er war irgendwie schon darauf vorbereitet und hat dann tatsächlich einfach richtig reagiert was ihn wohl von noch schweren Verletzungen oder sogar schlimmeren bewahrt hat.
00:15:34: Das war also eine ziemlich brutale Tat.
00:15:38: Wie ist denn die Polizei dem Täter dann auch überhaupt aus den Spuren gekommen?
00:15:45: Wie gesagt ein Aspekt war die gefundenen Behälter mit Flusssäure in der Firma.
00:15:51: Da war auch ein Handschuh dabei, damit man damit umgehen kann ohne sich selbst zu verletzen und eben die Aussage des Opfers das da wohl bis den Ärger bestand oder der Verdacht zumindest dass es gewesen sein konnte.
00:16:03: Die letztendliche Spur gab's aber dann ganz anders weil auch das Opfer sagte später aus.
00:16:09: im Vorfeld der Tat hatte immer wieder über WhatsApp eine Frau geschrieben die sich Sylvia nannte Aber niemand in seinem kompletten Umfeld oder Freundeskreis kannte eine Silvia.
00:16:21: Diese Silvia hat ihn Fragen gestellt über den Bergsport, auch über persönliche.
00:16:26: Irgendwann soll auch nachgefragt worden sein wo er denn wohnt und so was... Und da kann man schon der Verdacht dass ich irgendwie das nicht so ganz abgespielt haben kann, dass es sich um die tatsächliche Silvia handelt.
00:16:40: Wenn mich jetzt jemand Fremdes anschreiben würde würde ich schon mal hinterfragen, wer das eigentlich ist.
00:16:49: Hat er sich da nicht gefragt, woher dieser Kontakt mit dieser Sylvia auf einmal kommt?
00:16:55: Er war wohl ein Misstrauisch aber aufgrund seiner Funktion im Berggesport, wo immer wieder Interessierte sich melden.
00:17:02: Wie ist es mit dieser Bergtour?
00:17:04: Kann man die Skitouren machen?
00:17:05: Ist es schwierig?
00:17:06: War es wohl gar nicht in der erste Linie so unwahrscheinlich dass ihn da fremde Personen anschreiben haben können?
00:17:13: Also ist der Kontakt dieser besagten Silvia über den Berggesport entstanden.
00:17:20: So scheint es so, dass ist halt ein großer Punkt immer um seine Aufmerksamkeit zu bekommen das sich vieles um den Bergssport oder auch Ski-Touren drehte weil da waren tatsächlich auch der vierzigjährige die siebenundreißigere auch als Opfer waren alle drei sehr leidenschaftlich in dieser Sparte mit dabei.
00:17:36: Wie fand die Polizei überhaupt heraus?
00:17:40: Dass er es war der sich hinter dem Namen Silvia versteckte.
00:17:43: Im Zuge der Ermittlungen kam dann eben einfach raus, dass es keine Silvia
00:17:47: gibt.
00:17:49: Und da wurde die Polizei halt dann hallo-region hat das mal überprüft und dann kam eben raus... ...dass die Nummer, die zu silvia gehört, zu einer SIM-Karte gehört, die der vierzigere gekauft hat.
00:18:01: Die hat er in einem Fachgeschäft in Traunstein gekauft.
00:18:05: Da konnte er also der kauf konnte nachgewiesen werden anhand von von Bildern und so wurde dann langsam die Schlinge immer, immer enger gezogen.
00:18:15: Weil es wurde eindeutig diese Nummer eben nicht zu einer Silvia zugeordneten sondern zu dem vierzigjährigen.
00:18:21: und erschweren kam hinzu dass diese Nummer die eigentlich silvia gehört wenig später in eine mittelung ein noch mal aufgetaucht ist nämlich bei der bestellung der flusssäure weil wie vorhin schon gesagt hat man muss da sehr viele persönliche angaben machen wenn man dieser säure bestellen muss und in diesem vermutlich Bestellformular war wieder die handynummer von Silvia hinterlegt.
00:18:43: Was das zweite Indiz war, dass die Handynummer von Silvia eindeutig zu den vierzigjährigen gehört.
00:18:49: Wie hat denn die Polizei konkreten Tatabendreck konzentrieren können?
00:18:54: Das war tatsächlich einer der Knackpunkte da der Verteidiger von vornherein gesagt hat man muss erstmal nachweisen, dass der vierzigjährige wie gesagt aus dem Landkreis Traunstein tatsächlich die rund siebzig Kilometer von seiner Heimatadresse zum Tardort nach Hosein gekommen ist.
00:19:12: Es war nichts darüber bekannt, ob der irgendein Auto gefahren ist.
00:19:15: Auch Handydaten haben das nicht belegt da der vierzigjährige tatsächlich sehr viel vorbereitet hat.
00:19:22: er muss wohl am Tatabend gesagt haben er geht jetzt länger spazieren und war auch so ich will jetzt nicht sagen schlau aber so vorbereitend dass es tatsächlich alle mobilgeräte zuhause gelassen hat damit er eben nicht nach oder damit ihn nicht nachgewiesen werden kann wo er zu welchem Zeitpunkt an diesem tatabend war.
00:19:40: Es stellte sich zwar dann noch die Frage, wie er eben diese siebzig Kilometer zurücklegen konnte.
00:19:44: Weil auch keines der Fahrzeuge, die man im vierzigjährigen zuschreiben konnte, da war nicht klar welches sich an diesem Abend bewegt hat also seine eigenen hatte er wohl nicht gefahren an dem Tag.
00:19:56: es gab noch die Möglichkeit eines Mietwagens oder des Auto seiner Mutter aber das war gar nicht so einfach ihm das nachzuweisen dass er tatsächlich In Rosenheim war an dem Abend und das versuchte auch die Verteidigung dauernd in Frage zu stellen.
00:20:11: Und brachte zum Beispiel so Punkte auf, dass angeblich ein verdächtiges Fahrzeug im Vorfeld der Tat in den Wohngebiet rumgefahren ist.
00:20:19: Da waren schon die Versuche da, dass man eben diese Entfernung nicht nachweisen kann, dass er die zurückgelegt hat.
00:20:25: Dann konnten wir mittlerweile also nie wirklich feststellen mit welchem Auto er überhaupt an Kress Traunstein nach Rosenheim gefahren war oder?
00:20:34: Letztendlich hat es auch keine große Rolle mehr gespielt.
00:20:37: Natürlich haben sie jetzt nicht klar gesagt, er ist mit diesem und jenem Auto nach Hosenheim gefahren was klar war.
00:20:43: er ist definitiv nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren.
00:20:45: das hätte auch niemals geschafft.
00:20:47: Es muss ein Auto gewesen sein.
00:20:49: aber die anderen Indizien dass die Flusssäure bei ihm weniger in der Halle stand Dass diese Nummer über der ihr die Adresse des Opfers rausgefunden hat zu ihnen gehört und eine falsche Identität vorgegaukelt hat Die waren einfach zu erdrücken, dass die Rolle des Autos gar nicht mehr so groß war.
00:21:07: Das klingt jetzt alles schon sehr durchdacht und auch bei dem Vorfeld geplant?
00:21:14: Wie hat das Gericht denn dann diese Tat beurteilt?
00:21:18: Obwohl die Beweislage eigentlich erdrückend war, war es dennoch ein Indizienprozess.
00:21:24: letztlich weil es gab ja keinen Zeugen oder keinen klaren Beweis, dass es der vierzigjährige war wie man aber dennoch das Ganze zusammengesetzt hat.
00:21:33: Verräthun Simion Feuerstein, er ist ein Rechtsanwalt aus München und hat damals den Rosenheimer als Nebenklagevertreter im Prozess begleitet.
00:21:43: Speziell hat in Fall gemacht dass wir zwar ganz viele Indizien hatten aber es gab keine tatsächlichen Beweise da der später verurteilte tatsächlich vor Ort war.
00:22:00: Es gab keine Zeugenaussagen, die den Täter vor Ort gesehen hätten.
00:22:05: Es gab kein DNA-Material das vor Ort gefunden wurde.
00:22:11: Es gibt auch keine Handyauswertung, die belegt hätte dass der Täter tatsächlich vor Ort war.
00:22:19: Das hatten wir alles nicht.
00:22:21: Wir hatten viele Indizien aber zunächst keine tragfähigen Beweise Und erst im Laufe des Prozesses beziehungsweise aber auch während der polizeilichen Ermittlungen hat sich raus kristallisiert, dass wir ganz viele einzelne Puzzleteile hatten und diese einzelnen Puzzle Teile haben sich am Ende schon perfekt zusammengefügt.
00:22:48: klar war, dass der Angeklagte hier auch der Täter war und deswegen wurde er schlussendlich verurteilt.
00:22:58: Wie wir jetzt gehört haben waren das einige Puzzleteile die da zusammengefügt haben werden müssen.
00:23:05: am Ende hat es aber doch recht geplant gewirkt.
00:23:09: wie hat denn das Gericht in dem Fall dann geurteilten?
00:23:13: Das Gericht hat im Ange klagten unterstellt, dass er sich das Eiskalt überlegt hat was er machen muss, hat es vorbereitet.
00:23:21: Hat sein Handy weggelegt und ein anderes Fahrzeug genommen.
00:23:24: Und so kamen sie letztlich zu dem Schluss, dass er für neun Jahre wegen versuchten Mordes ins Gefängnis muss.
00:23:32: Der Richter Ziegler war damals davon überzeugt, das der vierzigjährige einfach seinen Nebenbühler also im Weg räumen wollte damit er die Frau für sich alleine hatte weil ihr hatte wohl die Sorge Er durch den Jüngeren ersetzt wird, dass der sportlicher ist und hat er wohl einfach aus Eifersuch gehandelt.
00:23:53: Das klingt ziemlich eiskalt Julian du warst bei Gericht vor Ort.
00:23:59: wie hast Du den denn erlebt?
00:24:01: Hat er sich da auch so eiskald gegeben?
00:24:04: Überhaupt nicht!
00:24:05: Und das haben auch viele Zeugen die ausgesagt haben geschildert, dass dir eigentlich keiner fliege was zu leidet tun kann, dass er sogar die siebenund dreißigjährige die eigentlich extrem wohl auch unter diesem Prozess gelitten haben muss.
00:24:18: Ich meine, es ging um beide Männer hat gesagt dass der vierzigjährige ein extrem harmoniebedürftiger ist und nie auf Streit aus ist kein aggressiver is und er war auch überall beliebt.
00:24:31: Er war in vielen Vereinen im Ort, er war überall engagiert.
00:24:34: Er machte nicht den Eindruck als wäre da jemand der sowas tatsächlich wochenlang plant und eiskaltlos stehen und so eine Tat begeht?
00:24:40: Gab es denn... Vor Gericht mal ein Geständnis vom Angeklagten oder hat er die ganze Zeit geschwiegen?
00:24:48: Nein, der Angeclagte hat eigentlich durchgehend geschwiegend.
00:24:53: Weil es war ja wie gesagt ein Deziemprozess.
00:24:55: da ist es eigentlich üblich das man schweigt.
00:24:57: Er hat für mich immer einen sehr ruhigen Eindruck gemacht aber auch dass er sich glaube ich schon auch bewusst war was da passiert ist.
00:25:04: Wissen wir denn wie es dem Opfer dieses Angriffes heute geht?
00:25:09: Das ist eine gute Frage.
00:25:11: Der Richter hat es damals in seiner Urteilsbegründung so beschrieben, dass der Rosenheimer ein wahres Materium doch lebt hat.
00:25:18: Nachdem er da in einer Spezialklinik war... Wie hat er damals gesagt?
00:25:22: Es wurde täglich an ihm irgendwie rumgedoktert.
00:25:25: Doch die Verletzungen konnte in der Zeit lang tatsächlich auch nur an Krücken gehen.
00:25:29: Hat kaum was gesehen und wusste eigentlich gar nicht so, was um ihn rum passiert.
00:25:32: Und ist bis heute vom See vermögen sehr eingeschränkt.
00:25:37: Er hat damals gesagt, er kann sich inzwischen wieder in einem Raum zu Recht finden, sieht aber auf beiden Augen nicht mehr wirklich gut.
00:25:45: Musste sein Beruf aufgeben kann tatsächlich nur noch bei bester Sicht und mit Begleitung in die Berge gehen.
00:25:52: also er hat sehr gravierende Folgen von der Attacke davon getragen.
00:25:57: Wie sie ihm heute geht war tatsächlich nicht herauszufinden.
00:26:02: Aber wie ihn seinen Anwalt auch während des Prozesses erlebt hat und wir seine Gefühlswelt wahrgenommen hat, auch das hat uns Simeon Feuerstein erzählt.
00:26:13: Jeder der meinen Mandanten in dem Prozess liebt hat, jeder der seine Aussage gehört hat und jeder der ihm gesehen hat wird mir denke ich zustimmen dass er hier im Prozess extrem gut, ohne Belastungseifer ausgesagt hat.
00:26:32: Dass er sehr neutral ausgesagelt hat und dass er im Rahmen dessen, die es ihm gesundheitlich ging auch das Beste aus seiner Situation gemacht hat und da nicht in Selbstmitleid verfallen ist sondern da wirklich stark und gut ausgesackt
00:26:58: Nach all dem, was wir jetzt gehört haben über diesen Fall.
00:27:03: Was war jetzt das Besondere daran?
00:27:06: Was diesem Fall besonders macht ist die Wahl der Tatwaffe.
00:27:09: Man kennt Tötungsdetekte mit stumpfen Gegenständen wie man immer so schön sagt Schusswaffen oder Messern oder sonstiges.
00:27:17: Aber dass jemand zur Säure greift Vor allem zu dieser Säüre, die so extrem gefährlich ist und die man anderen darüber schüttet Ist sehr sehr außergewöhnlich.
00:27:26: Wie außergewönlich.
00:27:28: Das hat uns auch Simeon Feuerstein aus der Sicht eines Rechtsanwalts noch mal gesagt.
00:27:33: Dieser Fall war in juristischer Hinsicht nicht wirklich außergewöhnlich für mich, aber er war ein tatsächlicher Hinsichtlich außergewönlich.
00:27:44: In meiner Praxis habe ich viele Fälle mit Schusswaffen oder mit Dolchen und Messern, mit anderen gefährlichen Werkzeugen.
00:27:54: So was gibt es in meiner Praxis öfters.
00:27:57: Aber ein solcher Säurefall, das war doch was Außergewöhnliches.
00:28:02: Dass solche Fälle, wo Täter säure benutzen auch in Rosenheim oder vor allem in Rosenhelm sehr selten sind – das hat uns zum Abschluss Robert Maurer gesagt!
00:28:14: Ich bin nun mehr seit über twenty-fünf Jahren bei der Polizeinspektion Rosenheim und dies war bis dahin der erste mir bekannte Fall und auch im Nachgang ist mir so ein Fall nicht bekannt.
00:28:26: Damit sind wir am Ende.
00:28:28: Dieses Fall ist angelangt, vielen Dank fürs Zuhören und wir hören uns in zwei Wochen wieder zu einem neuen Fall aus der Region Rosenheimen
00:28:36: Und wenn ihr jetzt noch mehr Infos und Fotos zu diesem Fall sehen wollt findet ihr den Link dazu in den Show notes
00:28:56: damit ihr keine Folge verpasst.
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